Physischer Schutz wird zur Planungsaufgabe
Die Anforderungen an kritische Einrichtungen gehen über IT- und Cybersicherheit hinaus.
Die europäische CER-Richtlinie verlangt geeignete und verhältnismäßige technische, sicherheitsbezogene und organisatorische Maßnahmen zum Schutz kritischer Einrichtungen. Dazu gehört ausdrücklich ein angemessener physischer Schutz von Gebäuden und kritischer Infrastruktur.
Besonders konkret ist die deutsche Regelung: Das KRITIS-Dachgesetz nennt beim Objektschutz unter anderem bauliche und technische Sicherungsmaßnahmen sowie hemmende Fassadenelemente.
Auch das österreichische RKEG verlangt von den entsprechend verpflichteten kritischen Einrichtungen Maßnahmen, um einen angemessenen physischen Schutz ihrer kritischen Infrastruktur und Räumlichkeiten zu gewährleisten. Welche Einrichtungen konkret betroffen sind und welche Verpflichtungen greifen, hängt von Sektor und behördlicher Einstufung ab.
Entscheidend ist die Risikoanalyse
Die gesetzlichen Regelungen schreiben keine bestimmte Glasart und keine pauschale Widerstandsklasse vor. Die Frage lautet deshalb nicht: „Welches Glas verlangt KRITIS?“ sondern: „Welchen Schutz benötigt dieses Gebäude aufgrund seiner konkreten Risiken?“
Ergibt die Risikoanalyse beispielsweise einen erhöhten Schutzbedarf für Fassaden, Eingangsbereiche, Leitstellen oder andere sensible Gebäudeteile, können entsprechend geprüfte Sicherheitsverglasungen Teil des baulichen Schutzkonzeptes sein.
Die Fassade als Teil des Sicherheitskonzeptes
Eine transparente Gebäudehülle schafft Offenheit und architektonische Qualität. Gleichzeitig darf sie bei Objekten mit erhöhtem Sicherheitsbedarf nicht zur Schwachstelle werden. Dabei reicht es nicht, ausschließlich die Widerstandsfähigkeit der Glasscheibe zu betrachten.
Entscheidend ist das Zusammenspiel von:
- Verglasung
- Rahmen beziehungsweise Pfosten-Riegel-Konstruktion
- Befestigung
- Fugen und Übergängen
- Anschlussbereichen
- Unterkonstruktion
Gerade Übergänge und Befestigungspunkte können bei einer Sicherheitsfassade entscheidend für die tatsächliche Schutzwirkung sein.
Deshalb verfolgt Glas Marte bei sicherheitsrelevanten Fassaden einen Systemansatz statt einer isolierten Betrachtung der Glasscheibe.
GM® ISO SAFE für Fassaden mit erhöhtem Schutzbedarf
Mit GM® ISO SAFE bietet Glas Marte durchschusshemmende Verglasungen für Objekte, bei denen Schutz, Transparenz und architektonische Qualität gemeinsam berücksichtigt werden müssen. Für besonders anspruchsvolle Fassadenanwendungen steht mit GM® ISO SAFE TOP 0,6 BR4-NS eine durchschusshemmende Isolierglas-Systemlösung zur Verfügung.
Dabei wurde nicht nur das Glas betrachtet. Das komplette Fassadensystem aus Verglasung, Unterkonstruktion, Befestigung und Anschlussbereichen wurde nach EN 1522 / EN 1523 geprüft. Das schafft eine belastbare Grundlage für die Planung sicherheitsrelevanter Pfosten-Riegel-Fassaden.
Systemgeprüft statt nur glasgeprüft
Bei sicherheitsrelevanten Fassaden liegt ein wesentlicher Unterschied darin, was tatsächlich geprüft wurde. Die DIN EN 1063 beurteilt die Durchschusshemmung der Verglasung. Bei der Systemprüfung nach EN 1522 / EN 1523 wird hingegen das Zusammenspiel des gesamten Bauteils betrachtet – einschließlich Rahmen, Fugen und Befestigungen.
Gerade für Architekten, Planer und Metallbauer ist diese Systembetrachtung entscheidend. Denn ein leistungsfähiges Sicherheitsglas kann seine Schutzwirkung nur dann zuverlässig entfalten, wenn auch die umgebende Konstruktion entsprechend geplant und ausgeführt wird.
BR4-NS: Schutz ohne Splitterabgang auf der Schutzseite
GM® ISO SAFE TOP 0,6 BR4-NS erfüllt die Anforderungen der Widerstandsklasse BR4-NS. „NS“ steht dabei für eine nicht splitternde Ausführung auf der Schutzseite. Bei entsprechender Beanspruchung soll somit kein gefährlicher Splitterabgang auf der geschützten Seite entstehen. Das ist insbesondere dort relevant, wo der Schutz von Personen im Vordergrund steht. Die konkrete erforderliche Widerstandsklasse muss jedoch immer anhand des jeweiligen Sicherheitskonzeptes und Schutzbedarfs festgelegt werden.
Sicherheit ohne Verzicht auf Architektur
Erhöhte Sicherheitsanforderungen müssen nicht zwangsläufig zu massiven oder geschlossenen Gebäudehüllen führen. GM® ISO SAFE ermöglicht transparente Fassadenkonzepte auch bei erhöhtem Schutzbedarf.
Das geprüfte System kann mit Pfosten-Riegel-Unterkonstruktionen aus Holz, Aluminium oder Stahl kombiniert werden. Gleichzeitig sind bei GM® ISO SAFE TOP 0,6 BR4-NS Einzelscheibengrößen bis 2,0 × 4,45 Meter sowie ein Ug-Wert bis 0,6 W/m²K möglich. Optional kann die Verglasung auch mit Sonnenschutzfunktion ausgeführt werden. Damit lassen sich Sicherheit, Energieeffizienz und gestalterische Anforderungen gemeinsam betrachten.
Wo Sicherheitsverglasungen relevant werden können
Sicherheitsverglasungen können überall dort Teil des Schutzkonzeptes werden, wo Menschen, betriebsrelevante Funktionen, sensible Informationen oder wertvolle Infrastruktur durch die Gebäudehülle geschützt werden müssen. Typische Bereiche sind beispielsweise Energie- und Versorgungsinfrastrukturen, Verwaltungs- und Regierungsgebäude, Leitstellen, Verkehrsinfrastruktur, Justiz- und Sicherheitsgebäude, sensible Unternehmensbereiche sowie andere Objekte mit erhöhtem Sicherheitsbedarf.
Ob und welche Sicherheitsverglasung erforderlich ist, muss immer projektbezogen festgelegt werden.
FAQ
Schreibt das KRITIS-Dachgesetz Sicherheitsglas vor?
Nein. Das KRITIS-Dachgesetz schreibt keine bestimmte Verglasung oder Widerstandsklasse vor. Betreiber kritischer Anlagen müssen auf Grundlage ihrer Risikoanalyse angemessene und verhältnismäßige Maßnahmen zum physischen Schutz treffen. Bei möglichen Objektschutzmaßnahmen nennt das Gesetz unter anderem bauliche und technische Sicherungen sowie hemmende Fassadenelemente. Ob Sicherheitsverglasung erforderlich ist, ergibt sich aus dem konkreten Schutzkonzept.
Gilt das KRITIS-Dachgesetz auch in Österreich?
Nein. Das KRITIS-Dachgesetz ist deutsches Bundesrecht. In Österreich regelt das RKEG die Resilienz kritischer Einrichtungen. Beide Regelungen gehen auf die europäische CER-Richtlinie zurück und verfolgen unter anderem das Ziel eines angemessenen physischen Schutzes kritischer Infrastruktur.
Welche Widerstandsklasse brauche ich für ein KRITIS-Gebäude?
Es gibt keine allgemeingültige „KRITIS-Widerstandsklasse“. Die erforderliche Schutzwirkung muss aus der Risikoanalyse und dem Sicherheitskonzept des jeweiligen Objekts abgeleitet werden. Erst danach lässt sich festlegen, welche Verglasung und welche Widerstandsklasse technisch geeignet sind.
Was bedeutet BR4-NS?
BR4 bezeichnet eine Widerstandsklasse für durchschusshemmende Verglasungen nach EN 1063. Die Ergänzung NS steht für eine nicht splitternde Ausführung auf der Schutzseite. GM® ISO SAFE TOP 0,6 BR4-NS ist für entsprechende erhöhte ballistische Sicherheitsanforderungen ausgelegt.
Warum reicht ein geprüftes Sicherheitsglas allein bei einer Fassade nicht aus?
Weil die Schutzwirkung nicht ausschließlich von der Glasscheibe abhängt. Rahmen, Befestigungen, Fugen, Übergänge und Anschlüsse können ebenfalls sicherheitsrelevant sein. Deshalb ist bei anspruchsvollen Sicherheitsfassaden die Betrachtung des gesamten Systems wichtig.
Kann GM® ISO SAFE in einer Pfosten-Riegel-Fassade eingesetzt werden?
Ja. GM® ISO SAFE TOP 0,6 BR4-NS wurde als Fassadensystem nach EN 1522 / EN 1523 geprüft. Das Konzept kann mit Pfosten-Riegel-Unterkonstruktionen aus Holz, Aluminium oder Stahl umgesetzt werden.
Können Sicherheitsglas und Wärmeschutz kombiniert werden?
Ja. GM® ISO SAFE TOP 0,6 BR4-NS ist als Isolierglas-System ausgeführt und erreicht einen Ug-Wert bis 0,6 W/m²K. Je nach Projekt kann die Sicherheitsfunktion außerdem mit weiteren Anforderungen wie Sonnenschutz kombiniert werden.
Wann sollte Sicherheitsglas in die Planung einbezogen werden?
Möglichst früh. Sobald für ein Gebäude oder einen Gebäudebereich ein erhöhter Schutzbedarf bekannt ist, sollten Verglasung, Fassadenkonstruktion, Befestigung und Anschlussdetails gemeinsam betrachtet werden. Dadurch lassen sich Sicherheitsanforderungen besser mit Architektur, Konstruktion und Bauphysik abstimmen.